Das beliebte ehemalige Naherholungsgebiet kommt nicht zur Ruhe. Schon wieder wurde großflächig gerodet und wichtiger Lebensraum für Fauna und Flora zerstört. Diesmal wurden die Zugänge sogar mit einem Stacheldrahtzaun versehen. Was ist der Hintergrund dieser aktuellen Vorgänge? Ich darf Ihnen die Historie kurz erläutern:

Mit dem Lehmabbau für die Ziegelgewinnung wurde dort bereits im 15. Jahrhundert begonnen, 1970 wurde die Ziegelerzeugung eingestellt. Es bildeten sich Teiche, die Uferbereiche verwuchsen mehr und mehr und es entstanden sogar kleine Wäldchen. Auch ich habe als Kind und Jugendlicher mit meinen Freunden und Schulkameraden das Areal zum Spielen und Baden genutzt. Generationen an Kindern taten es uns nach.

Im Jahr 2000 wurde das Areal mit Ausnahme der Wasserfläche des Teiches seitens der Gemeinde von der Wienerberger AG gepachtet und den Bürgerinnen und Bürgern als Naherholungsgebiet zur Verfügung gestellt. In dieser Zeit wurden die Wege saniert und mit Schautafeln versehen, zum Verweilen Bänke aufgestellt. Das Gelände entwickelte sich in der Folge zu einem beliebten Naherholungsgebiet für die Brunner Bevölkerung und ist es unbeschadet dessen, dass die Gemeinde seit zehn Jahren nicht mehr Pächter ist und die Flächen daher eigentlich nicht mehr betreten werden dürften, bis heute geblieben.

Rechtzeitig vor Ablauf des mit zehn Jahren befristeten Pachtvertrages ersuchte die Gemeinde im Jahr 2009 um Verlängerung der Pacht an. Unserem Wunsch wäre man seitens der Grundeigentümerin nachgekommen, wenn die Gemeinde im Gegenzug 51.000 m2 von Grünland in Bauland-Wohngebiet umgewidmet hätte. Als der Gemeinderat dieses Ansinnen ablehnte, war es auch mit den Vertragsverhandlungen zu Ende und das Gelände fiel wieder in die alleinige Verfügung der Wienerberger AG zurück. Im Frühjahr 2011 wurde der Bewuchs erstmals komplett gerodet, das Betreten des Geländes verboten. Bereits damals stand im Raum, dass mit den Rodungen verhindert werden sollte, dass auf dem Areal ein Wald im Sinne des Forstgesetzes entsteht, würde dies eine Nutzung oder Verwertung der Liegenschaft doch erheblich einschränken.

Zwischenzeitig wurde die Liegenschaft an die VOEG Immobilienprojektentwicklung GmbH verkauft und auch die neue Eigentümerin wollte mit den jüngsten Rodungen wohl das Entstehen eines Waldes im Sinne des Forstgesetzes verhindern – ungeachtet des zum Zeitpunkt der Rodung bereits eingeleiteten forstrechtlichen Feststellungsverfahrens.

Ohne dass ich dies bei den einzelnen Gemeinderatsfraktionen nachgefragt habe, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass die Gemeinde das Gelände wieder in Pacht nimmt; die neue Grundeigentümerin hat dies nach ersten Fühlungsnahmen nicht grundsätzlich ausgeschlossen, möchte jedoch den Ausgang des forstrechtlichen Verfahrens abwarten. Eines wurde jedoch von mir gemeindeseitig klar signalisiert: Eine Umwidmung auch nur von Teilen des als Grünland gewidmeten Geländes in Bauland/Wohngebiet kommt auch heute nicht in Frage.

Brunn ist mit seiner Nähe zur Großstadt und seiner guten Infrastruktur zur beliebten Wohngegend geworden. Die letzten großen zusammenhängenden Grünräume sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Gemeinde, die es gilt zu erhalten. Wir arbeiten daran!

Ihr
Dr. Andreas Linhart
Bürgermeister

 

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Hier geht es zum Beitrag des ORF vom 22. November 2020, 14 Uhr.
Beitrag aus der NÖN Woche 46/2020